Karl Kraus - Zitate

— Gute Zitate (60), Aphorismen und Sprüche von "Karl Kraus" (Schriftsteller; AT)

— Beliebtes Zitat:

Leute, die über den Wissensdurst getrunken haben, sind eine gesellschaftliche Plage.

Karl Kraus (* 28. April 1874 in Jičín, Böhmen; † 12. Juni 1936 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller.

— Prägnante Sentenzen, Lakonische Sprüche, Frappierende Lebens-Weisheiten und Pointierte Aphorismen, — die besten Karl Kraus Zitate (Land: AT / Berufsgruppe: Schriftsteller).

Vielwisserei ist der Glaube, dass es bei der Tischlerarbeit auf die Gewinnung von Hobelspänen ankommt.

Man glaubt gar nicht, wieviel Hässlichkeit die angestrengte Beschäftigung mit der Schönheit erzeugt.

Nicht alles, was totgeschwiegen wird, lebt.

Das Wort Familienbande hat einen Beigeschmack von Wahrheit.

Künstler ist nur einer, der aus der Lösung ein Rätsel machen kann.

Diplomatie ist ein Schachspiel, bei dem die Völker matt gesetzt werden.

Gute Aussichten sind wertlos. Es kommt darauf an, wer sie hat.

Eine der verbreitetsten Krankheiten ist die Diagnose.

Gedanken sind zollfrei, aber man hat doch Scherereien.

Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen Schatten.

Das Übel gedeiht nie besser, als wenn ein Ideal davorsteht.

Im Zweifel entscheide man sich für das Richtige!

Es kommt nicht bloß auf das Äußere einer Frau an. Auch die Dessous sind wichtig.

Als die christliche Nacht hereinbrach und die Menschheit auf Zehen zur Liebe schleichen musste, da begann sie sich dessen zu schämen, was sie tat.

Als zum erstenmal das Wort »Friede« ausgesprochen wurde, entstand auf der Börse eine Panik. Sie schrien auf im Schmerz: Wir haben verdient! Lasst uns den Krieg! Wir haben den Krieg verdient!

Bildung ist das, was die meisten empfangen, viele weitergeben und wenige haben.

Bildung ist eine Krücke, mit der der Lahme den Gesunden schlägt, um zu zeigen, dass er auch bei Kräften ist.

Da das Halten wilder Tiere gesetzlich verboten ist und die Haustiere mir kein Vergnügen machen, so bleibe ich lieber unverheiratet.

Das Familienleben ist ein Eingriff in das Privatleben.

Das Feigenblatt des Neides ist sittliche Entrüstung.

Das Geheimnis des Agitators ist, sich so dumm zu machen, wie sei ne Zuhörer sind, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er.

Den Leuten ein X für ein U vormachen - wo ist die Zeitung, die diesen Druckfehler zugibt?

Der Anspruch auf den Platz an der Sonne ist bekannt. Weniger bekannt ist, daß sie untergeht, sobald er errungen ist.

Der Aphorismus deckt sich nie mit der Wahrheit; er ist entweder eine halbe Wahrheit oder anderthalb.

Der Historiker ist nicht immer ein rückwärts gekehrter Prophet, aber der Journalist ist immer einer, der nachher alles vorher gewusst hat.

Der Scharfsinn der Polizei ist die Gabe, alle Menschen eines Diebstahls für fähig zu halten, und das Glück, daß sich die Unschuld mancher nicht erweisen lässt.

Der Sport ist ein Sohn des Fortschritts, und er trägt schon auf eigene Faust zur Verdummung der Familie bei.

Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, daß er die Menschen schlechter machen kann.

Der Übermensch ist ein verfrühtes Ideal, das den Menschen voraussetzt.

Die anständigen Frauen empfinden es als die größte Dreistigkeit, wenn man ihnen unter das Bewusstsein greift.

Die deutsche Sprache ist die tiefste, die deutsche Rede die seichteste.

Die Gedankenfreiheit haben wir. Jetzt brauchen wir nur noch die Gedanken.

Die Menschheit verdummt zugunsten des maschinellen Fortschrittes, und wir sollten uns diesen nicht einmal zunutze machen?

Die Welt ist ein Gefängnis, in dem Einzelhaft vorzuziehen ist.

Ein Aphorismus braucht nicht wahr zu sein, aber er soll die Wahrheit überflügeln. Er muss mit einem Satz über sie hinauskommen.

Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.

Ein Feuilleton schreiben heißt auf einer Glatze Locken drehen.

Eine Notlüge ist immer verzeihlich. Wer aber ohne Zwang die Wahrheit sagt, verdient keine Nachsicht.

Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.

Keine Grenze verlockt mehr zum Schmuggeln als die Altersgrenze.

Man muss jedesmal so schreiben, als ob man zum ersten und zum letzten Male schriebe.

Philosophie ist oft nicht mehr als der Mut, in einen Irrgarten einzutreten. Wer aber dann auch die Eingangspforte vergisst, kann leicht in den Ruf eines selbständigen Denkers kommen.

Polemik soll den Gegner um seine Seelenruhe bringen, nicht ihn belästigen.

Satiren, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten.

Tugend und Laster sind verwandt wie Kohle und Diamant.

Wo nehm ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?

Zum Teufel mit dem Geschwätz über die sexuelle Aufklärung der Jugend! Sie erfolgt noch immer besser durch den Mitschüler, der im Lesebuch das Wort »Horen« anstreicht, als durch den Lehrer, der die Sache als eine staatliche Einrichtung erklärt, die so wichtig sei und so kompliziert wie das Steuerzahlen.

Am unverständlichsten reden die Leute daher, denen die Sprache zu nichts anderem dient, als sich verständlich zu machen.

Das erotische Vergnügen ist ein Hindernisrennen.

Das ist das wahre Wunder der Technik, dass sie das, wofür sie entschädigt, auch ehrlich kaputt macht.

Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.

Der Schwache zweifelt vor der Entscheidung; der Starke danach.

Der Skandal fängt an, wenn die Polizei ihm ein Ende bereitet.

Eifersüchtige sind Wucherer, die vom eigenen Pfund die höchsten Zinsen einnehmen.

Ein Paradoxon entsteht, wenn eine frühreife Erkenntnis mit dem Unsinn ihrer Zeit zusammenprallt.

Ein Psychiater ist ein Mann, der sich keine Sorgen zu machen braucht, solange andere Menschen sich welche machen.

Er hatte so eine Art sich in den Hintergrund zu drängen, dass es allgemein Ärgernis erregte.

Erotik ist die Überwindung von Hindernissen. Das verlockendste und populärste Hindernis ist die Moral.

Es gibt Menschen, die heiser werden, wenn sie ununterbrochen acht Tage lang mit keinem ein Wort gesprochen haben.



— Karl Kraus (1874 - 1936) war einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller des beginnenden 20. Jahrhunderts.


— Kraus war als Publizist, Satiriker, Lyriker, Aphoristiker und Dramatiker tätig. Zudem war er ein scharfer Kritiker der Presse und des Hetzjournalismus oder, wie er selbst es ausdrückte, der Journaille.

Es wurden 60 deutsche Sprüche, Zitate, Gedanken, Lebensweisheiten und Sentenzen des Autors "Karl Kraus" gefunden.

Ein Zitat (zum Beispiel aus der Kategorie "Schriftsteller") kann dazu motivieren, die eigenen Geistesblitze & Ideen zu schärfen und präziser zu formulieren, und damit zum Nachdenken anzuregen:
Sprüche und Zitate von bekannten Dramatikern, Lyrikern, Dichtern, Aphoristikern, Romanciers, etc.